Methoden und Praxistipps

Sie sind Fachkraft oder Leitung in einer Kindertageseinrichtung und fragen sich, wie Sie in Ihrer Einrichtung Partizipation im Kita-Alltag leben können? Wir haben für Sie eine vielfältige Sammlung mit Materialien zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen können, Partizipation in Ihrer Kita einzuführen oder weiterzuentwickeln. Im Laufe der Zeit wird sich diese Sammlung vergrößern, also schauen Sie gerne ab und zu mal vorbei. Wenn Sie Fragen oder selbst gute Tipps haben, die anderen helfen könnten, schreiben Sie uns! 

Icon Teilnehmerzahlggf. Anzahl der Kinder pro Raum begrenzen
Icon Uhrggf. zunächst für bestimmte Zeitfenster
Icon Alterjedes Alter
Icon Materiallisteggf. Spielort-Plan und Kinderbilder mit Heft-/ Magnetfunktion

Viele Kitas arbeiten bereits (teil-)offen und bieten den Kinder an, frei über den Ort des Spiels und auch die Auswahl des Spielzeugs zu entscheiden. In größeren Einrichtungen bietet es sich an, die Kinder aufzufordern, ihren Aufenthaltsort mitzuteilen. Auch bei Räumen, in denen es eine Begrenzung der Kinderanzahl gibt, wie beispielsweise einer Turnhalle, macht dies Sinn. Hilfreich kann es hierfür sein, gemeinsam mit den Kindern Magnettafeln oder andere Schilder zu entwerfen, die die verschiedenen Aufenthaltsräume symbolisieren. Wichtig ist, dass die Kinder durch Symbole verstehen, welche Tafel oder welches Schild für welchen Ort steht. Jedes Kind erhält darüber hinaus seinen eigenen Magnet oder Klebepunkt, am besten individualisiert mit einem Foto des Kindes. Die Kinder können nun (in den Freispielzeiten) ihr Gesicht an eines der Felder auf den Magnettafeln oder Schildern anheften. So sehen Fachkräfte auf einen Blick, welches Kind wo ist und wie viele Kinder in welchem Raum sind. Auch die Kinder können sehen, ob beispielsweise im Atelier oder in der Turnhalle, wo ggf. nur eine begrenzte Anzahl an Kindern gleichzeitig sein kann, noch "Platz" ist.

Icon Teilnehmerzahl-
Icon Uhr-
Icon AlterKinder ab ca. 1 Jahr
Icon MateriallisteSpeiseplan, kindgerechte Essutensilien

Essenssituationen eignen sich gut, um Partizipation in den Kita-Alltag einzuführen, da sie wiederkehrend sind und einen zentralen Baustein im Ablaufplan jeder Kita darstellen. Kinder werden gefragt, welche Speisen sie sich wünschen bzw. welche Dinge sie nicht mögen. Fachkräfte beobachten darüber hinaus das Essverhalten und die Vorlieben der Kinder. In einem offenen Prozess, beispielsweise in einem kleinen Projekt oder der Morgenrunde, werden die Wünsche und Abneigungen thematisiert. Da es zu Differenzen zwischen den Kindern kommen wird, wird für Kinder erfahrbar, dass für die Gemeinschaft aller Kinder die möglichst beste Lösung für einen Essensplan gefunden werden muss. Kooperation wird so geübt. Gleichzeitig erleben die Kinder Selbstwirksamkeit, wenn sie sehen, dass der eigene Essenswunsch innerhalb weniger Tage verwirklicht wird.

Während der Speisesituation wird bereits kleinen Kindern ermöglicht, sich die Portionen selbst einzuteilen und auszuwählen, welche Speisen sie essen möchten. Die Fachkräfte unterstützen kleinere Kinder dabei, lassen aber zu, dass gekleckert oder mit Händen gegessen wird. Dies kann insbesondere bei kleinen Kindern eine sinnliche Erfahrung sein, die für die Entwicklung nötig ist.

Eine Vorlage zum Download finden Sie hier.
 

Icon Teilnehmerzahl-
Icon Uhr-
Icon AlterKinder ab ca. 2 Jahren
Icon Materiallistepersönliche Dinge des Kindes, ruhige Atmosphäre

Das Thema Mittagsschlaf in der Kita ist oft heikel. Auf der einen Seite wünschen sich viele Eltern, dass ihre Kinder nicht allzu erschöpft (und schlecht gelaunt) aus der Kita kommen und aus diesem Grund dort einen Mittagsschlaf machen. Auf der anderen Seite ist das Schlafbedürfnis sehr individuell und lässt sich nicht einfach planen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder machen es Fachkräften in Kindertageseinrichtungen nicht leicht, alle Wünsche und Bedürfnisse umzusetzen. Aus psychologischer und pädagogischer Sicht ist es wichtig, dem Kind die Möglichkeit zu geben, einen eigenen Schlafrhythmus zu finden. Kinder zum Schlafen zu zwingen, macht daher keinen Sinn und widerspricht grundsätzlich dem partizipativen Gedanken und dem Recht auf Selbstbestimmung jedes Kindes. Da Kinder jedoch Gewohnheiten und Sicherheit brauchen, um sich zu entspannen und so schlafen zu können, ist es hilfreich, mittags Rituale zu schaffen. Das gemeinsame Waschen nach dem Essen, Aufräumen nach dem Spielen oder Hören eines Liedes gibt dem Kind die Möglichkeit eines leichteren Übergangs in die Ruhephase. Auch die individuelle Gestaltung eines Schlafplatzes mit persönlichen Dingen am Bett sowie eine insgesamt beruhigende Atmosphäre können das Sicherheitsempfinden des Kindes stärken. Kleine Kinder können selbst zu Bett gehen, Babys sollten noch wach ins Bett gelegt werden, um sich dort orientieren zu können. 

Damit Kinder selbstbestimmt entscheiden können, ob sie schlafen möchten oder nicht, sollte es die Möglichkeit geben, sich ruhig in der Kuschelecke oder an einem anderen Ort aufzuhalten, wo die schlafenden Kinder nicht gestört werden. Auch hierfür können gemeinsam mit den Kindern Regeln geschaffen werden.
 

Beteiligungsgremium

(vgl. R. Hansen (2013): Mitbestimmung der Kleinsten im Kita-Alltag – so klappt’s, erschienen in Kita aktuell ND, Ausgabe 03.2013)

Icon TeilnehmerzahlGremium: max. 15 Kinder
Icon Uhrmax. 60 Min.
Icon AlterKinder ab 3 Jahren
Icon MateriallisteFlipchart oder großes Papier für das Protokoll, ruhiger Raum

Kinderkonferenz, Kinderrat oder Kinderparlament: Die Möglichkeiten der institutionalisierten Mitbestimmung in der Gruppe sind vielfältig. Das Team der Fachkräfte sollte vorab (in Zusammenarbeit mit den Eltern) klären, in welchen Bereichen die Kinder kein Mitspracherecht haben, wo also die volle Entscheidungsmacht bei den Erwachsenen liegt. Diese Bereiche sind jedoch sorgfältig auszuwählen und sollten so klein wie möglich gehalten werden. Unabhängig vom Format sind folgende Dinge wichtig: Die Entscheidungen der Kinder müssen verbindlich sein, auch wenn Fachkräfte oder Eltern sie für nicht sinnvoll erachten. Die Moderation der Gremienarbeit sollte insbesondere in altersgemischten Gruppen zunächst bei den Erwachsenen liegen. Die Ergebnisse sollten kindgerecht festgehalten und später allen Kindern zugänglich gemacht werden. Je jünger die Kinder sind, desto handlungsorientierter muss das Beteiligungsverfahren aufgebaut sein. Wenn beispielsweise über Räume gesprochen wird, reicht es nicht aus, Bilder zu zeigen. Die Orte, beispielsweise bei der Neuplanung des Außengeländes, sollten besucht werden. Die Ergebnisse sollten von einer Fachkraft in „Kindersprache“, also visualisiert, festgehalten und anschließend allen Kindern erläutert und sichtbar gemacht werden.

Icon Teilnehmerzahl-
Icon Uhr-
Icon Alterbei Kindern unter 3
Icon Materialliste-

Wenn kleine Kinder noch nicht beteiligt werden sollen oder können, können sie durch ältere Kinder, die sich für die Rechte und Interessen der kleineren Kinder einsetzen, unter Aufsicht einer Fachkraft vertreten werden. In Kinderkonferenzen oder -parlamenten werden sie dann dazu aufgefordert, sich in ihre kleineren Geschwister oder Freund*innen hineinzuversetzen und zu überlegen, was diese sich wünschen würden, wenn sie selbst in dem Gremium vertreten wären. Fachkräfte sind hier stark gefragt, um diesen Prozess zu begleiten, ohne ihn zu steuern. Die Verantwortung, die hier für die Mitmenschen übernommen wird, sollte sprachlich anerkannt werden.

Icon TeilnehmerzahlAlle Gruppengrößen
Icon Uhr5 - 10 Min.
Icon AlterKinder von 2 bis 6
Icon Materiallisteje eine rote und eine grüne Karte pro Kind

Jedes Kind erhält zwei Karten: eine rote und eine grüne Karte. Nachdem ein Thema ausführlich besprochen wurde, haben die Kinder die Möglichkeit, sich Gedanken zu machen, ob sie dafür oder dagegen sind. Fragen, die mit Ja oder Nein bzw. Dafür oder Dagegen beantwortet werden können, können auf diese Weise von der gesamten Gruppe beantwortet werden. Durch die Farbgebung können auch kleinere Kinder verstehen, wie die Entscheidung zustande gekommen ist.

Eine Vorlage zum Download finden Sie hier.

Icon TeilnehmerzahlAlle Gruppengrößen
Icon Uhrunter 5 Minuten
Icon AlterKinder von 2 bis 6
Icon Materialliste-

Ähnlich wie bei der Ampelabstimmung gibt es bei der Daumen-Abstimmung ein schnelles Stimmungsbild, hier sogar ohne Material. Die Idee eines Kindes oder einer Fachkraft wird in der Gruppe präsentiert und erklärt. Alle Kinder haben die Gelegenheit, ihre Meinung dazu zu sagen. Nachdem alle Argumente gehört wurden, kann jedes Kind den Daumen hoch halten für Zustimmung oder nach unten zeigen lassen für Abneigung.

Icon Teilnehmerzahl10-25 Personen
Icon Uhr10-30 Min.
Icon AlterKinder von 2 bis 6
Icon MateriallisteSymbolbilder, ein Stein/ Klebepunkt pro Kind

Soll eine Entscheidung getroffen werden, bei der es mehr als zwei Auswahlmöglichkeiten gibt, können Symbole oder Bilder den Kindern helfen, zu verstehen, worum es geht. Bei der Besprechung im Morgenkreis oder im entsprechenden Kindergremium werden die Bilder gut sichtbar für alle Kinder in die Mitte des Gesprächskreises gelegt. Jedes Kind muss deutlich erkennen können, welches Bild für welche Auswahlmöglichkeit steht. Durch einen Stein, eine Figur oder ein anderes kleines Objekt kann nun jedes Kind eines der Bilder beschweren und so der eigenen Entscheidung Ausdruck verleihen. Alternativ können die Bilder oder Symbolkarten, die für die Auswahlmöglichkeiten stehen, an einer Wand angebracht und von den Kindern mit Klebepunkten versehen werden. 

Wenn jedes Kind seine Stimme abgegeben hat, wird gemeinsam und für alle nachvollziehbar das Ergebnis ausgezählt. Zum Verständnis können die Ergebnisse in eine aufsteigende Reihenfolge gebracht werden, um sichtbar zu machen, dass die Auswahlmöglichkeit mit den meisten Stimmen beispielsweise immer rechts an der Wand hängt bzw. auf dem Boden liegt.  
 

Icon TeilnehmerzahlEinzeln od. in Kleingruppen
Icon Uhrfortlaufend
Icon AlterKinder von 3 bis 6
Icon MateriallisteBriefkasten oder Kiste

Kinder haben jederzeit das Recht, sich über alles zu beschweren, was sie bedrück oder ihnen Sorge bereitet. Mit dem Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetztes am 01.01.2012 sind Kitas dazu verpflichtet, geeignete Verfahren der Beschwerde einzurichten. Eine Methode, Kindern die Möglichkeit zu geben, ihrem Missmut und auch ihren Wünschen Ausdruck zu verleihen, ist die Beschwerdebox. Eine geschlossene Kiste mit Schlitz wird an zentraler Stelle aufgestellt, sodass die Kinder ihre Wünsche und Beschwerden einwerfen können. Dies kann in Form von Bildern oder bei älteren Kindern mit Briefen geschehen. In der Dienstbesprechung werden die Wünsche der Kinder ausgewertet und im Morgenkreis oder im Kinderrat besprochen.

Eine Vorlage zum Download finden Sie hier.

 

Icon Teilnehmerzahleinzeln
Icon UhrCa. 2 Std. pro Woche
Icon AlterKinder ab 3 Jahren
Icon MateriallisteSprechzeiten-Schild

In regelmäßigen und nicht allzu großen Abständen findet an einem geschützten Ort eine Sprechstunde für Kinder statt. Dort haben sie die Gelegenheit, ihre Sorgen und Probleme anzusprechen und können sicher sein, dass andere Kinder sie nicht unterbrechen. Ein Büroraum bietet sich an, um der Sprechstunde aus Sicht der Kinder Gewicht zu verleihen, da es eine klare Abgrenzung zum Spielraum gibt. Auch die Kuschelecke kann ein passender Ort sein, da hier bereits eine vertraute Atmosphäre herrscht und die Kinder sich wohlfühlen.

Wichtig ist, dass die Sprechstunde vorher angekündigt wird und die Kinder Gelegenheit bekommen, ihre Beschwerde oder ihr Anliegen zu formulieren oder zu visualisieren.